GP 450 – CCM Motorcycles in Bolton (UK) – Teil 2

So, mit einiger Verspätung (KLM sei Dank!), hier vorab einige Bilder vom Besuch bei CCM in Bolton, nördlich von Manchester, UK.

ccm_motobike_450_2„This is exactly what the adventure sport sector needs“ – so lautet einer der Werbeslogan von CCM in Bezug auf die neue GP-450.
Doch was findet der interessierte Testfahrer bei CCM vor, wenn er nach der GP-450 Adventure fragt? Zuerst einmal ca. 10 verfügbare Prototypen, die auch schon zusammen ca. 30.000 Meilen hinter sich gebracht haben. Eine Serienfertigung gibt es zur Zeit noch nicht, diese soll im Sommer mit der Produktion im englischen Bolton starten.
Hier zuerst mal einige technische Details in der Zusammenfassung:

– Einzylinder Reiseenduro mit ca. 130 Kilogramm Leergewicht
– Mehrteiliger Aluminium-Rahmen, CNC-bearbeitet, verklebt (vergleichbare Technik wie in der Luftfahrtindustrie)
– 21 Zoll Vorderrad ( 90/90-21 54T Dunlop Trailmax) und 18 Zoll Hinterrad (120/90-18 65T Dunlop Trailmax)
– 17 Liter Tank in Heck und Front (Underseat, befüllt im Fahrzeugheck) von Acerbis
– 45 mm Marzocchi Upside-Down Federgabel mit ca. mm Federweg (18/12 Klicks)
– verstellbares Federbein hinten (12/24 Klicks)
– Brembo Bremsen mit 320 mm vorne und 240 mm hinten
– Sitzhöhe 890 mm

Verwendet wird hier ein Motor von den bayerischen BMW-Werken (wissen halt was gut ist, die Engländer), das 449,5 ccm große und 41 (offen 52) PS starke Einzylinder-Kraftpaket mit Vierventil-Technik aus der BMW G 450 X. Einspritztechnik, Endtopf mit Krümmeranlage und Euro 3.
Um die vorgeschriebenen, kurzen Inspektionsintervalle des Motors zu umgehen und somit das Aggregat für den Einsatz als Reiseenduro tauglich zu gestalten, wurden laut Aussage von Austin Clews die Leistungscharakteristik der ECU verändert und zurückgenommen, was nunmehr Inspektionszeiträume von ca. 8.000 Kilometern ermöglichen soll. Somit steht, zumindest aus dieser Sicht, der ausgedehnten Reise nichts mehr im Wege.

Rahmen, Felgen, Schwinge und ein Großteil der Anbauteile sind laut Aussagen von der Konstruktion her Eigenentwicklungen von CCM, verschiedene weitere Komponenten wie z.B. Gabel (Marzocchi), Federbein (xXx), Lenker (Renthal), Tank und Verkleidungsteile (Acerbis), Motor (BMW) werden von renommierten Herstellern zugekauft und stehen somit für langjährige Erfahrung und höchste Qualität im Motorradsektor.

Die Fahrt: Das CCM-Team scheute keine Mühen und stellte mir einen Tourguide in Person des Junioschefs zur Seite, der mich nach einer kurzen Einweisung ins Motorrad dann auch irgendwo ins nirgendwo entführte. Über Strassen ging es die ersten Kilometer raus aus Bolton, durch kleine Ortschaften in eine ländliche Gegend, die mich schon etwas an schottische Highlands erinnerte. Abseits der Siedlungen mit den durchgängig roten Backsteinhäusern wurde es mit kleinen Trailks, Schotterpassagen und Feld-, Wald- und Wisenwegen erst richtig interessant.
Mein Guide nahm keine Rücksicht, durchaus überzeugt von der Leistungs- und Leidensfähigkeit unserer beider Motorräder, ging es im flotten Tempo selbst über tiefe, wassergeflutete und ausgedehnte Schlaglöcher, welche die Felgen tief einsinken ließen, so das der Schlamm in alle Richtungen spritzte. Auf den Landstraßen nördlich von Bolton gab sich die GP-450 keine Blöse, der bei Kymco gefertigte Einzylinder beschleunigt die 130 KG Fuhre zuverlässig, wobei eine Kraftentfaltung a la KTM unerreichbar scheint.

Zurück im Headquarter nahm ich mir etwas Zeit um die ausgestellten Motorräder etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Interessant fand ich die, noch ausbaufähige Version einer GP-450 Adventure als „Rallye-Bike“, die neben einer im fertigen Reisetrimm aufgebauten Maschine direkt im Eingangsbereich des CCM Gebäudes stand. Ausgestattet mit einigen, teilweise schon liebevoll gestalteten Details wie z.B. dem Rally-Bash-Guard (Motorschutz mit 2 Liter Container), einem F2R Roadbookhalter, Adventure-Schriftzügen und Designs, zusätzlichen Scheinwerfern oder einem „Storage Exhaust Canister“ (Toolbox in Form eines Endtopfes) wird hier Rallye-Feeling verbreitet.

Die Zubehörliste umfasst zum heutigen Tage bereits über 40 Positionen, vom Zusatzscheinwerfer über die niedrigere / höhere Sitzbank, Griffheizung und Motorschutz, Federhöher- / tieferlegung, Reisetaschen bis hin zum 3-teiligen Aluminium-Kofferset inkl. Träger. So ausgestattet kann die Tour nach, woimmer Mann / Frau auch hinwill, starten.

Was mich persönlich störte, war das zu kleine und teils in der Anzeige träge wirkende Display ohne Drehzahlmesser. Ich fahre weniger nach Geschwindigkeit, für mich persönlich steht immer der Drehzahlmesser im Vordergrund, Geschmackssache! Weiterhin scheint sich das Mehrgewicht im Vergleich zur G 450 X von ca. 20 Kilogramm in Kombination mit der reduzierten Motorleistung / veränderten Charakteristik als Ergebnis in der fehlenden Spritzigkeit zu zeigen. Gut, eine kleinvollumige Reiseenduro benötigt , aber mir fehlt etwas der „Biss“, ebenfalls Geschmackssache!

Womit wir beim Preis wären: CCM ruft für die GP-450 einen Preis von 7.995,– Pfund auf, inkl. der britischen Mehrwertsteuer. Ein Importeur in Deutschland müsste das Fahrzeug entsprechend für ca. 8.000,– Euro anbieten, wenn man Transport, Zoll, Umsatzsteuer usw. berücksichtigt.

Interessante Links zum Thema:

http://www.adventurebikerider.com/component/content/article/845-ccm-motorcycles-launches-new-ccm-gp-450-adventure-bike-.html

http://www.ccm-motorcycles.co.uk

http://www.basherdesigns.com/2013/04/23/ccm-gp-450-adventure/

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